Organspenden: Warum denn die Regeln ändern?
Feb 1st, 2010 | By sponline | Category: NewsEinen Erfolg meldet Swisstransplant: Im Jahr 2009 habe die Anzahl der Organspenden gegenüber dem Vorjahr um 13 zugenommen. Von 2007 bis 2009 sei sogar eine Zunahme um 30 Prozent zu verzeichnen. Warum also sah sich Swisstransplant letzten Herbst veranlasst, die Wiedereinfürhung der Widerspruchsregel zu fordern?
Im September letzten Jahres trat die Stiftung Swisstransplant mit der Forderung an die Öffentlichkeit, für Organspenden wieder die Widerspruchsregel einzuführen. Danach wäre eine Organentnahme zulässig, wenn weder der betreffende verstorbene Mensch noch seine Angehörigen ausdrücklich Widerspruch dagegen erhoben haben. Bis Ende 2006 galt in den meisten Kantonen die Widerspruchsregel. Dann trat das eidgenössische Transplantationsgesetz in Kraft, laut welchem die Zustimmungsregel gilt. Seither dürfen Organe nur noch entnommen werden, wenn der betroffene Mensch oder seine Angehörigen ausdrücklich zugestimmt haben.
Swisstransplant begründete ihre Forderung im letzten September mit dem Mangel an Spenderorganen. Schon damals vertraten wir in der Sozialen Medizin die Ansicht, die Forderung nach Wiedereinführung der Widerspruchsregel sei nicht vertrauensbildend und daher kontraproduktiv (vgl. Soziale Medizin 4.09 S. 4, http://www.sozialemedizin.ch/?p=666). Und nun zeigt sich: Seit Inkrafttreten des neuen Transplantationsgesetzes haben die Organspenden um 30 Prozent zugenommen. Das zeigt, dass die Sensibilisierungskampagnen des Bundes erfolgreich waren.
Zu Recht weist Swisstransplant daraufhin, dass nach wie vor ein Organmangel herrscht und dass die Spendebereitschaft im Vergleich mit anderen europäischen Ländern in der Schweiz niedrig ist. 2009 wurden in der Schweiz von 103 SpenderInnen insgesamt 491 Organe gespendet. Auf der Warteliste befinden sich aber 996 Menschen, die ein Spenderorgan brauchen könnten. Steigern lässt sich die Spendebereitschaft aber nur durch den Aufbau von Vertrauen. Die Wiedereinführung der Widerspruchsregel würde aber eher Vertrauen zerstören und wäre zudem politisch kaum durchsetzbar.
rsp. 1.2.10